Überdruckventil

Ich finde das System Iran beeindruckend. Es ist faktisch eine Diktatur, die es geschafft hat, den Druck des Volkes ganz und gar auf einen Ihrer Strohmänner zu lenken. Statt das System an sich greift die Opposition eines der wenigen demokratischen Elemente, die Wahl des Präsidenten, an. Dazu wird sie auch noch von einem Mann geleitet, der die Position des Strohmannes schon einmal acht Jahre inne hatte. Und sich in dieser Zeit nicht mit Ruhm bekleckert hat. In der Wikipedia steht dazu
He shuns all contact with the West and is a fierce proponent of nationalization of foreign companies and government control of the economy. (…) Human Rights Watch says that “In 1988, the Iranian government executed thousands of political prisoners held inside Iranian jails. The deliberate and systematic manner in which these extrajudicial executions took place may constitute a crime against humanity under international law.”
In der Zwischenzeit sind 20 Jahre vergangen und er verkauft sich heute als andere Mensch. Vielleicht steckt tatsächlich was dahinter. Vielleicht ist er das kleinere Übel. Vielleicht kann und will er was ändern. Vielleicht. Vielleicht ist er aber auch nur die andere Seite der Medaille.


19. Juni 2009 um 18:45
Kleine Korrektur: Mousawi war damals Premierminister Irans, ein Amt, das nach ihm abgeschafft wurde.
Ich denke auch nicht, dass die Wahl an sich angegriffen wird, sondern die stümperhafte Art und Weise, auf die sie gefälscht wurde. Lug und Betrug seitens der Regierung war das iranische Volk ja schon gewohnt, aber nicht derart offensichtlich.
Zudem darf man nicht vergessen, dass es wohl ursprünglich bei dieser Wahl um einen Machtkampf zwischen Chamenei und Achmadinedschad ging, bei dem sich letzterer mit erschlichener vermeintlicher hoher Zustimmung mehr Einfluss in der Regierung sichern wollte. Das jetzt auf einmal dein dritte Kraft, oh Wunder, das Volk, erstmals lautstark Mitsprache fordert hatte wohl niemand bedacht. Doof für sie.
19. Juni 2009 um 21:52
Korrektur? Strohmann ist Strohmann, ob er nun Premiermister oder Präsident heißt ist meines Erachtens ein Detail.
Mein Problem ist, dass ich keinen Einblick in die Vorgänge im Iran habe, wie man sie von hier auch schlecht haben kann, und das Bild vom Guten und Bösen, Moussavi und Achmadinedschad, bei mir nur grau ankommt. Ich habe auch keine direkten Kontakte in den Iran, die mir das vermitteln könnten. Wenn Du die ganze Geschichte kennst, erzähle sie uns!
P.S. Dass das Volk immer Recht hat, hat uns die Geschichte ja zu genüge gelehrt
19. Juni 2009 um 22:02
Nagut, muss mich vielleicht selber korrigieren. Das Bild kommt bei mir nicht grau an, sondern in einem strahlenden grün. Und das ist es, was ich ein bisschen anzweifel. Doch es waren schon immer die die Bremser der Revolution, die zuviel gefragt haben. In diesem Sinne, auf nach Vorne, macht kaputt was Euch kaputt macht!
20. Juni 2009 um 13:56
Ich kann, wie wohl alle, nicht genau sagen, was in Iran gerade abläuft. Ich habe allerdings direkt von Leuten gehört, die gesehen haben, wie Tote aus der Universität getragen wurden. Das eine Kommilitonin tot ist, eine andere, Musikstudentin im 8ten Semester, die gerade kurz vor dem Wechsel nach Österreich stand jetzt im berüchtigten Evin-Gefängnis einsitzt. Ich habe gechattet mit einem Studenten, der mehrmals mit Prügelspuren von der Straße zurückkehrt, der davon sprach, wie auf einmal aus dem nichts Prügel aus allen Seiten auf dich einprasseln, sobald man sich aus Gruppen löst. Und ich habe von noch grausameren Vorgängen gehört, die sich offenbar gerade in diesem Moment in Teheran entfalten.
Ich habe auch gehört, dass, obwohl aufs Land sehr wenig durchdringt, die meisten doch Bescheid wissen, das orgendetwas nicht richtig läuft. Und ich habe gehört, dass sehr viele jetzt erst Recht die Schnauze voll habne und einfach nur noch raus wollen. Es scheint als wäre dieser Wochenanfang (das Wochenende in Iran liegt auf dem Freitag) der entscheidende für die weitere Entwicklung.